Standort Frankfurt am Main

Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt brauchen produktiven Streit! Die Wissenschaftler*innen am Standort Frankfurt erforschen soziale Kämpfe um Anerkennung und Teilhabe und die produktive Kraft, die aus solchen sozialen und politischen Konflikten erwachsen kann.

Das Frankfurter Teilinstitut an der Goethe-Universität blickt auf eine lange und lebendige Tradition in der Zusammenarbeit zwischen Philosophie, Rechtswissenschaften und Sozialwissenschaften in der Erforschung der Grundlagen sozialen Zusammenlebens zurück. Diese reicht von den Anfängen der Frankfurter Schule und dem Institut für Sozialforschung bis hin zum Exzellenzcluster und Forschungsverbund „Normative Orders“. Zugleich bringt das Teilinstitut auch eine spezifische Expertise in das Gesamtinstitut ein, die sich mit den Konflikten um Zusammenhalt und vor allem mit der Genese und Stabilisierung von Zusammenhalt im Konflikt und durch Konflikte befasst.

Der Fokus auf Konflikt und Zusammenhalt, der die Frankfurter Beiträge zur Erforschung des gesellschaftlichen Zusammenhalts eint, ergibt sich aus drei Teilaspekten, die jeweils in mehreren der Frankfurter Projekte behandelt werden und die die Basis für die gemeinsame Begriffs- und Theorieentwicklung bilden:

Grundbegriffliche Klärung und die konstitutive Bedeutung von Pluralität und Konflikt für Zusammenhalt

Erstens leistet das Teilinstitut einen Beitrag zur grundbegrifflichen Klärung des Konzepts „gesellschaftlicher Zusammenhalt“, indem spezifische Verständnisse und Konzeptionen von Zusammenhalt geklärt und weiterentwickelt werden. Dabei soll auch die konstitutive Bedeutung von Pluralität und Konflikt für gesellschaftlichen Zusammenhalt herausgearbeitet werden. Die Frankfurter Forscher*innen fragen, wie unser Begriff von Zusammenhalt auf die politischen, soziökonomischen und kulturellen Voraussetzungen liberaler Demokratien reagieren sollte, die unhintergehbar durch politischen Wettbewerb, ökonomische Verteilungskonflikte und kulturelle Pluralität gekennzeichnet sind. Es ist ihr Ziel, ein Verständnis von Zusammenhalt zu entwickeln, das diesen Rahmenbedingungen angemessen ist.

Zentrale Konfliktfelder sozialer sowie kultureller Pluralität: Arbeit und Teilhabe, Geschlecht, Religion und Sicherheit

Zweitens werden Quellen sowie Bedrohungen des Zusammenhalts und deren Wirkmechanismen empirisch-analytisch untersucht. In diesem Rahmen erforscht das Frankfurter Teilinstitut neue Formen sozialer sowie kultureller Pluralität und deren Auswirkungen auf spezifische Aspekte des Zusammenhalts auf Basis innovativer empirischer Analysen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei einerseits im kulturellen Bereich auf den Konflikten um sich wandelnde Einstellungen zum Geschlechterverhältnis und zu Geschlechterrollen sowie andererseits auf dem Zusammenhang von Konflikt und Vertrauen im Kontext sozioökonomischer Ungleichheit.

Erneuerung der Konfliktkultur und die integrative Kraft von Institutionen

Der dritte Beitrag zielt auf praxisbezogene Konzepte für eine Erneuerung der Konfliktkultur zur Stärkung gesellschaftlichen Zusammenhalts, indem die integrative Kraft von Institutionen und Verfahren erforscht wird, die Konflikte nicht nur zulassen, sondern produktiv gestalten und so Vertrauen, Toleranz und Solidarität schaffen. Hier gehen die Frankfurter Vorhaben von der Hypothese aus, dass Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt unter den Bedingungen von Pluralität und Interessenskonflikten auf produktiven Streit angewiesen sind. Denn es sind nicht in erster Linie Gemeinsinn oder Gemeinsamkeiten als feststehende kulturelle Ressourcen, die demokratische Gesellschaften integrieren, sondern der produktive Austrag von Konflikten. Zusammenhalt wird, so die These, auch im Modus des Konflikts erzeugt: Eine Gesellschaft hält zusammen, wenn sie eine gute Konfliktkultur hat, wenn sie die Vielfalt individueller Gruppenzugehörigkeiten anerkennt und wenn in ihr widerstreitende Rechtfertigungen darüber, wer welche Stellung und Berechtigung hat, noch so weit überlappen, dass ein gemeinsames Institutionensystem funktionieren kann.  

Etablierung einer dialogbasierten Forschung

Fragen, Methoden und Erkenntnisse der Forschung werden in Frankfurt systematisch aus dem Austausch mit gesellschaftlichen Akteuren gewonnen und geschärft. Alle Forschungsprojekte umfassen eigene Transferaktivitäten und wirken in der gemeinsamen Reihe "Frankfurt streitet!" mit, die zum Ziel hat, die Bedeutung einer Konfliktkultur des produktiven Streits für gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Frankfurter Stadtgesellschaft praktisch erlebbar zu machen.

Das Frankfurter Teilinstitut wird von einem Sprecher*innengremium geleitet, dem neben der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff als Sprecherin der Philosoph Prof. Dr. Rainer Forst und die Soziologin Prof. Dr. Daniela Grunow als stellvertretende Sprecher*innen angehören. Zum Kreis der Principal Investigators gehören zudem Prof. Dr. Christopher Daase, Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln, Prof. Dr. Markus Gangl, Prof. Dr. Klaus Günther, Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher, Dr. Cord Schmelzle, Prof. Dr. Richard Traunmüller und Prof. Dr. Uwe Volkmann.

Gemeinsam mit Bremen und Leipzig koordiniert und leitet Frankfurt das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Hier sind die allgemeine Geschäftsstelle mit administrativer Geschäftsführung und die zentralen Services Forschungskoordination und Wissenstransferangesiedelt.

Hier finden Sie alle Forschungs- und Transferprojekte des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt.

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