Erinnerungskultur als Dimension gesellschaftlichen Zusammenhalts

Technische Universität Berlin

Hauptgebäude

Straße des 17. Juni 135

10523 Berlin

Hilft Erinnerung gegen Fliehkräfte, oder: Brauchen Gruppen und Gesellschaften die Vergangenheit für ihren Zusammenhalt? Eine Tagung des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) diskutiert diese Fragen anhand der Erinnerungskultur in der postmigrantischen Gesellschaft, des kollektiven Erinnerns an Nationalsozialismus, DDR und Wende und mit Blick auf die globale Dimension von kollektivem Gedächtnis.

Erinnerungskultur als Dimension gesellschaftlichen Zusammenhalts

Die Entstehung der Memory Studies Ende des 20. Jahrhunderts ist ein Symptom für das, was vielfach als „Erinnerungsboom“ bezeichnet wird. Die Konjunktur von Erinnerungsforschung  und -praktiken wirkt sich unmittelbar auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft aus. Ganz unterschiedliche, teilweise sich diametral gegenüberstehende Konzepte von Zusammenhalt bedienen sich der Erinnerung an Vergangenes nicht nur, sie sind auch selbst Ergebnis dieser Erinnerung. Dementsprechend entzündet sich der Streit zwischen Zusammenhaltsvorstellungen auch immer wieder an der Vergangenheit. Kollektive Erinnerung erweist sich als ein zentrales Konfliktfeld, auf dem gesellschaftliche Teilgruppen um die Deutung von Vergangenheit sowie um Anerkennung und Sichtbarkeit ringen. Zugleich birgt sie das Versprechen auf heilende Wirkungen und Versöhnung.

Exemplarisch lässt sich das Spannungsfeld zwischen Konflikt und Heilungsversprechen an gegenwärtigen erinnerungspolitischen Debatten in Deutschland nachzeichnen. Dazu gehört die Auseinandersetzung über das etablierte und staatstragende Bekenntnis zur NS-Erinnerung einerseits und neuerliche Schlussstrichforderungen andererseits. Dazu gehören aber auch jene zwischen Ost und West oder migrantischer und nichtmigrantischer Bevölkerung verlaufenden, von Verletzungen und Ausgrenzungserfahrungen geprägten Risse in dem, was gemeinhin als „kollektives Gedächtnis“ bezeichnet wird. Der Eindruck des gesamtgesellschaftlichen Desinteresses an der „anderen“ Geschichte untergräbt jedes Gefühl von Zusammenhalt bei denen, deren Geschichte(n) nicht dazu zu zählen scheinen. Die Vielfalt von Erinnerungskulturen in der Post-Wende- und Einwanderungsgesellschaft harrt noch ihrer Anerkennung. Das gilt für die Erinnerung an die DDR-Geschichte, die (Nach-)Wende-Zeit ebenso wie für migrantische Herkunfts- und Ankommensgeschichten oder Verfolgungsgeschichten marginalisierter Gruppen. Gleichzeitig lässt sich keins dieser Spannungsfelder allein in nationalen Containern verstehen. Sie sind vielfach mit übergreifenden, globalen Vergangenheitsdeutungen und Erinnerungspraxen verwoben.

Die Tagung des FGZ-Clusters 3: „Historische, globale und regionale Varianz des Zusammenhalts“ widmet sich dieser Bandbreite von Vergangenheitsbezügen bei der (Des-)Integration von Kollektiven und Gesellschaften. Die Panels befassen sich mit der globalen Dimension von kollektivem Gedächtnis, dessen Status Quo in der postmigrantischen Gesellschaft, der Erinnerung an Nationalsozialismus, DDR und Wende. Die Beiträge stammen aus der Geschichtswissenschaft, Sozialpsychologie, Global Studies, Kulturtheorie, Ethnologie und Literaturwissenschaft.

In einer Abendveranstaltung am 22.11. diskutieren Dan Diner, María do Mar Castro Varela und Bénédicte Savoy über erinnerungspolitische Kämpfe um Shoah, Kolonialismus und Bedürfnisse der Gegenwart.

Das vollständige Tagungsprogramm finden Sie hier.

Die Tagung findet als Präsenzveranstaltung unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln in Berlin statt. Die Räumlichkeiten sind barrierefrei.

 

AKTUELLE HINWEISE ZUR VERANSTALTUNG (Stand 17.11.)

Aufgrund der aktuellen pandemischen Entwicklungen, und auch aufgrund der veränderten Bestimmungen des Landes Berlin für öffentliche Veranstaltungen, findet die Veranstaltung nach 2G++-Regeln statt. D.h.:

  1. zugelassen sind nur geimpfte und genesene Teilnehmer*innen,
  2. in den Räumlichkeiten bitten wir um das Tragen einer medizinischen Maske,
  3. wir bitten darum, beim Betreten der Räumlichkeiten am Montag /und/ Dienstag einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorzuweisen.

Auf dem Vorplatz des Universitäts-Hauptgebäudes, Straße des 17. Juni 135, befindet sich ein an die TU Berlin angegliedertes Testzentrum (vgl. www.tu.berlin/themen/coronavirus/corona-schnelltestzentrum-tu-berlin/). Hier kann unproblematisch ein Termin für den kostenlosen Bürger*innentest vereinbart werden: covid-testzentrum.de/tuberlin/ . Das Testzentrum ist an beiden Tagen ab 7 Uhr geöffnet. 

Für unsere Veranstaltung gibt es mittlerweile eine Warteliste. Wir bitten alle Angemeldeten, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen doch nicht teilnehmen können, sich bei uns zu melden, damit wir dann gegebenenfalls noch Nachrücker*innen zulassen können.

Noch möglich ist die Teilnahme an der Abendveranstaltung am 22.11. im Audimax der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135. Die Abendveranstaltung findet im Hybridformat statt. Für eine Anwesenheit in Präsenz bitten wir um Anmeldung unter: j.wilson@campus.tu-berlin.de. Ansonsten gelten auch für die Abendveranstaltung die genannten Präsenz-Regeln nach 2G++.

Die Abendveranstaltung wird parallel als Zoom-Webinar gestreamt unter: https://tu-berlin.zoom.us/j/63472547454?pwd=QUd1NHdkMFFvaGo0d0w4aUE1MktUUT09

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