Gesellschaftlicher Zusammenhalt - ein umstrittener Begriff

Am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt erforschen wir Verständnis und Formen gesellschaftlichen Zusammenhalts in verschiedenen Gesellschaften und analysieren Faktoren, die ihn befördern, stabilisieren oder erschüttern und seine Wirkung bestimmen.

Das Verständnis von gesellschaftlichem Zusammenhalt ist notwendigerweise umstritten und der Begriff besonders schwer durch eine genaue Definition zu fassen. Er unterliegt nicht nur politischen Deutungskämpfen, sondern wird in Folge der massiven Ausbreitung seiner Nutzung im öffentlichen Raum in der jüngeren Gegenwart vielfältig strategisch eingesetzt.

Mehr über das Forschungsprogramm

Zusammenhalt als Gegenstand vieler Disziplinen

Die Frage danach, was Gesellschaften zusammenhält, beansprucht die Soziologie seit ihren Anfängen als ihr Kerngeschäft, während sich die Geschichtswissenschaften dem Wandel, den Pfadabhängigkeiten und den historischen Referenzen des Zusammenhaltes widmen. Zahlreiche weitere Fächer sind jedoch notwendig, um die verschiedenen Facetten und Faktoren zu untersuchen, darunter besonders prominent die Politikwissenschaft, die Medien- und Kommunikationswissenschaften, die Kulturwissenschaften und die Sozialpsychologie, aber auch die Geographie. Der Vergleich und die Analyse von Verflechtungen zwischen verschiedenen Gesellschaften haben zudem vom Aufschwung der Regionalwissenschaften empirisch wie konzeptuell profitiert. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass der gesellschaftliche  Zusammenhalt als komplexer Gegenstand zu groß für eine einzige Disziplin ist und entsprechend deren Zusammenwirken erfordert. Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt gründet entsprechend seinen Forschungsansatz auf eine breit verstandene Interdisziplinarität.

Plurale Forschungsansätze

Unter dem Dach des FGZ sind 83 Forschungs- und Transferprojekte  versammelt, die sich mit unterschiedlichen Aspekten gesellschaftlichen Zusammenhalts beschäftigen und dabei den Leitfragen des Instituts nach Begriff, Entstehungsbedingungen, Gefährdungen und Wirkungen gesellschaftlichen Zusammenhalts aus einer Vielzahl disziplinärer und methodischer Perspektiven nachgehen. Diese thematische, disziplinäre und methodische Pluralität der Forschungsvorhaben ist eine besondere Stärke des FGZ, die sich aus der Integration von elf Teilinstituten mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu einem Institut ergibt.

Unser Forschungsprogramm ist in drei Cluster gegliedert, die jeweils unterschiedliche Perspektiven und Zugänge zur Erforschung gesellschaftlichen Zusammenhalts bündeln:

Cluster 1. Theorien, Politiken und Kulturen des Zusammenhalts

Cluster 2. Strukturen, Räume und Milieus des Zusammenhalts

Cluster 3. Historische, globale und regionale Varianz des Zusammenhalts

In allen drei Dimensionen seines Forschungsprogramms verbindet das Institut quantitative und qualitative Sozialforschung mit hermeneutischen, narratologischen, begriffs- und strukturanalytischen Zugriffen, diachronen und synchronen Vergleichen sowie globalhistorischen Verflechtungsanalysen. Die Teilprojekte wirken in einer ganzen Reihe von Forschungsfeldern zusammen.