[Open Access] Religion, Vorurteile und Rechtsextremismus – kommt zusammen, was nicht zusammengehört?

In: Birgit Blättel-Mink (Hg.) 2021: Gesellschaft unter Spannung. Verhandlungen des 40. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2020, S.

Autor*innen

Verena Schneider, Gert Pickel & Cemal Öztürk

Abstract

[Open Access] Religion, Vorurteile und Rechtsextremismus – kommt zusammen, was nicht zusammengehört?

Rechtspopulistische und rechtsextreme Akteur:innen in Deutschland und Europa machen verstärkt „den Islam“ oder „die Muslime“ für gesellschaftliche Konflikte verantwortlich. Neben Muslim:innen dienen ihnen auch Jüd:innen als Feindbild. Sowohl bei Muslimfeindlichkeit als auch bei Antisemitismus fungiert Religionszugehörigkeit als Ablehnungsmarker, den Rechtsextreme und Rechtspopulist:innen zur Mobilisierung nutzen: Sie knüpfen gezielt an bestehende Vorurteile und Bedrohungswahrnehmungen gegenüber Mitgliedern dieser beiden Religionsgruppen an. Auf der anderen Seite scheint sich Religiosität auch auf Seiten der Mehrheitsgesellschaft auf die Ausbildung rechtsextremer Einstellungen auszuwirken. Wie genau hängen Religion, Vorurteile und Rechtsextremismus miteinander zusammen? Anhand von Umfragedaten stellen die Autor:innen die ambivalente Wirkung von Religiosität heraus: Während eine dogmatisch-fundamentalistische Religionsauslegung rechtsextreme Einstellungen befördert, wirkt eine soziale Religiosität – also die Kombination von religiösem mit sozialem Engagement – extrem rechten Haltungen entgegen. Abschließend gehen die Autor:innen auf die Brückenfunktion von Vorurteilen ein: Abwertende Haltungen gegenüber Muslim:innen, Jüd:innen und anderen sozialen Gruppen können als „Scharniere“ hin zu rechtsextremen Vorstellungswelten dienen.

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