Erstes Göttinger Gespräch zum Gesellschaftlichen Zusammenhalt (GGGZ)

„Wer trägt die Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“? Diese Frage leitete den virtuellen Auftakt der „Göttinger Gespräche zum Gesellschaftlichen Zusammenhalt (GGGZ)“ am 29.04.2021 ein.

Zum Diskussionsabend hatte das SOFI als Göttinger Standort des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) geladen, um sich unter der Moderation von Julia Kropf mit Eva Welskop-Deffaa (Caritas), Bernhard Klingen (Bundesministerium für Bildung und Forschung), Thomas Fischer (Deutscher Gewerkschaftsbund) sowie über 80 Teilnehmenden über den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus Sicht der Forschung, Politik, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände auszutauschen.

Der Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis ist ein wichtiges Anliegen des FGZ, um interdisziplinäre Perspektiven zusammenzuführen und zukunftsweisende Forschung zu gestalten. Wünschenswert sei, das Gespräch mit der Öffentlichkeit zu suchen und Debatten anzustoßen, so Bernhard Klingen, Vertreter des Fördergebers BMBF. Genau hier ist das SOFI anschlussfähig, da seit jeher der Austausch zwischen anwendungsorientierter Grundlagenforschung und Gesellschaft im Sinne einer öffentlichen Soziologie praktiziert wird.

Unterschiedliche Perspektiven fanden in den Beiträgen des Podiums zusammen: Bei der Frage des Zusammenhalts in der Corona-Pandemie war man sich einig, dass gegenseitige Verantwortung und damit verbundene soziale, wirtschaftliche und rechtliche Pflichten notwendig seien. Dabei müsse die Forschung auch die handelnden Menschen in den Fokus rücken und von den Akteuren her denken, wie Berthold Vogel hervorhob: „Zusammenhalt ist nicht nur eine Idee, Zusammenhalt ist Praxis! Mit dem Thema „Zusammenhalt“ kommen die Fragen des Gemeinwohls und des Gemeinsinns, die Fragen von Gleichwertigkeit und Teilhabe in den Blick.“ Diese Forschungsthemen am SOFI sind ebenso für die Arbeit der Caritas zentral. Eva Welskop-Deffaa betonte, Wohlfahrtsverbände seien im „Alltag der Sozialstaatsmaschine“ unverzichtbar, auch wenn diese als „schwer fassbare Dinosaurier des Wohlfahrtsstaates“ in öffentlichen Debatten teilweise um Sichtbarkeit ringen.

Wer sinnvoll über den gesellschaftlichen Zusammenhalt sprechen möchte, kommt aus SOFI-Sicht nicht an dem Thema Arbeit vorbei: Arbeitsorte sind Kreuzungspunkte von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen, Qualifikationen und Statusgruppen. Die Frage nach dem Wert und der Würde der Arbeit trete besonders in dieser pandemischen Zeit hervor. Thomas Fischer schlägt aus gewerkschaftlicher Sicht die Brücke zum Zusammenhalt über den Solidaritätsbegriff als „Lebenselixier“ von Gewerkschaften und kollektive Kraft der Vielen, insbesondere in Zeiten arbeitsweltlicher Zuspitzung durch Prekarisierung.

Die Arbeits- und Lebenswelt in ihrem Zusammenspiel zu untersuchen, dafür plädiert Berthold Vogel: „Menschen sind nicht nur Teil eines Betriebs oder einer Behörde, sondern Teil ihrer Familie, Nachbarschaft und ihres lokalen Umfelds, Aktive in ihren Vereinen und Initiativen – und Teil ihrer lokalen Umwelt und der dortigen Infrastrukturen“.

Die angeregte Diskussion zeigte, dass die Forschungsthemen Arbeit, Lebensweisen und öffentliche Güter entscheidende Faktoren des sozialen Zusammenhalts ansprechen. Zukünftig soll der Dialog mit Praxis und Forschung in den „Göttinger Gesprächen“ fortgeführt werden, auch mit Gesprächspartner*innen aus der Region.

Die gesamte Veranstaltung kann demnächst auf dem YouTube-Kanal des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt angeschaut werden.

» zurück