Wandel der Erwerbsarbeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Befunde der Arbeitsforschung im Lichte einer Grundkategorie des Sozialen

GÖT_F_03 – Projekt des FGZ Göttingen

Zielsetzung / Fragestellung

Zentrale Befunde der Arbeits- und Industriesoziologie zum gegenwärtigen Wandel der Arbeit – Fragmentierung, Polarisierung, Entgrenzung – bezeichnen Flieh-, nicht Bindekräfte. Sie deuten auf die Erosion sozialen bzw. betrieblichen Zusammenhalts hin, zumindest aber auf Restrukturierungen der Arbeitswelt, die mikrosozialen Praktiken gesellschaftlichen Zusammenhalts entgegenwirken und diese erschweren. Diese Befunde gilt es unter dem analytischen Fokus des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu systematisieren.

Das Projekt möchte zu einem besseren Verständnis der Implikationen des gegenwärtigen Wandels der Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen. Dazu soll – in Auseinandersetzung mit arbeitssoziologischen Begriffen wie Solidarität und Konkurrenz, Kooperation und Konflikt, Bindung und Entgrenzung sowie unter Rückgriff auf sozialtheoretisch-konzeptionelle Arbeiten, die im Cluster 1 durchgeführt werden, – ein analytisches Konzept zur Untersuchung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Arbeitswelt entwickelt werden.

Die Entwicklung eines solchen analytischen Konzepts „gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Erwerbsarbeit“ erfolgt mittels der Auseinandersetzung mit bestehenden arbeitssoziologisch verwandten Konzepten, d.h. durch Auswertung von Sekundärliteratur, und im engen Austausch mit theoretisch-konzeptionell angelegten Projekten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt am FGZ. Das Arbeitskonzept wird zur Meta-Auswertung der empirischen Befunde genutzt und zugleich in Auseinandersetzung damit weiterentwickelt. Im Sinne einer Meta-Studie werden die empirischen Befunde zum gegenwärtigen Wandel der Arbeit, die in unterschiedlichen Forschungsprojekten am SOFI generiert wurden und werden, mithilfe des entwickelten Arbeitskonzepts unter dem analytischen Fokus des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgewertet, reinterpretiert und zusammengeführt. Dazu wird nicht allein auf einschlägige Veröffentlichungen (Monografien, Aufsätze), Zwischen- und Endberichte sowie SOFI-interne Papiere zurückgegriffen. Vielmehr werden auch leitfadengestützte Gespräche und moderierte themenzentrierte Diskussionsrunden mit den Primärforscher*innen durchgeführt, die darauf gerichtet sind, die Primärforscher*innen selbst zur Reflexion und möglicherweise Re-Interpretation ihrer Befunde unter dem Fokus des gesellschaftlichen Zusammenhalts bzw. im Lichte der Kategorien des Arbeitskonzepts anzuregen. Im Ergebnis der Gespräche könnte im Einzelfall der Rückgriff auf das Primärmaterial ermöglicht werden.

Thematischer Bezug zu gesellschaftlichem Zusammenhalt

Die Leistung des Projektes besteht darin, die vielfältigen Forschungen des SOFI zum Wandel der Arbeit mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Beziehung zu setzen und arbeitssoziologische Befunde unter diesem analytischen Bezugspunkt neu und systematisch zu durchdenken. Dabei werden sozioökonomische Faktoren (z.B. mit dem Wandel von Arbeit einhergehende Veränderungen der ökonomisch-materiellen Stellung und des sozialen Status), soziale Beziehungen und Praktiken auf der Mikroebene (z.B. in Arbeit eingelagerte Kooperations- und Konkurrenzbeziehungen), kollektiv geteilte Gefühle der Zusammengehörigkeit und des Ausschlusses (z.B. aus Arbeitserfahrungen erwachsende Solidarisierungen) und schließlich auch Fragen der Funktionsfähigkeit der Institutionen der Erwerbsarbeit (wie Arbeitsmarkt, Beruf, Arbeitsbeziehungen) eine Rolle spielen.

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